Das ist derzeit für alle die sich etwas kritischer mit der aktuellen Politik auseinandersetzen der running Gag schlechthin. Aber es kommt ja immer noch besser. Zeigt das obige Merkel-Zitat mehr als deutlich wie weit der Realitätsverlust der CDU mittlerweile voran geschritten ist, vollzieht die CDU nun auf ihrem Parteitag in Hannover den Schritt zur CED (Christlichen Einheitspartei Deutschlands). Äußer Zeichen dafür sind 60 Minuten Selbstbeweihräucherung der Parteichefin und Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, anschließend 8 Minuten lang anhaltender Applaus und 98% JA- Stimmen bei Ihrer Wiederwahl.
Ein Schauspiel das widerlicher nicht sein kann.
Schlimmer ist nur noch, das es keine ernsthafte Konkurenz gibt. Wieso muß die SPD eigentlich den Pensionär Steinbrück (Alter bei der Bundestagswahl 2013: 66 Jahre) ins Rennen schicken? Gibt es den keine Politiker Mitte Vierzig bei der SPD, eventuell sogar mal einen mit Visionen? Offensichtlich nicht!
In diesem Sinne: Gute Nacht Deutschland!
Dez. 04
…die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung
Dez. 04
Bildungspolitik: Ahmed Zewail zur Zukunft der Wissenschaft
In einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift Angewandte Chemie (doi:10.1002/ange.201206738) erscheint ein Beitrag von Ahmed und Maha Zewail unter dem Titel Wissenschaft für die Wohlhabenden.
Obwohl Prof. Ahmed Zewail (ägyptischer Chemiker und Nobelpreisträger 1999, beschäftigt seit 1976 am CalTech) in den USA wirkt, kann man seine Warnungen nicht hoch genug bewerten. Er sei daher jedem Bildungspolitiker und auch solchen, die das werden wollen nur allerwärmstens zu empfehlen. Ich selber habe mich ja als Brandenburger auch mal mit Bildungspolitik beschäftigt und habe das abschreckendste Beispiel für eine fehlgeleitete Weichenstellung direkt vor der Haustür. Schließlich belegt bei den Ausgaben für die Hochschulen das Land Brandenburg traditionell den letzten Platz. Aber zurück zum Artikel.
Ein wichtiger Punkt der heutigen Bildungspolitik in den Industrienationen ist der Zwang der Hochschulen zu mehr Profit anstelle von (staatlich geförderter) Grundlagenforschung. In Deutschland ist dies als Drittmitteleinwerbung ein Leistungskriterium für Institute und Wissenschaftler. So werden u.a. bei Berufungen aber auch bei Haushaltsmittelverteilungen die Drittmitteleinwerbungen stark berücksichtigt („Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen“). Dazu stellt Prof. Zewail passend folgendes fest:„Aus der Geschichte wissen wir aber, das die fundamentalsten Innovationen aus der Neugier von Wissenschaftlern an den Phänomenen der Natur stammen, und in vielen Fällen wurden wissenschaftliche Entdeckungen durch Zufall gemacht. Selbst der gelehrteste Forscher kann die Route zur nächsten Entdeckung oder der wichtigsten Innovation nicht vorhersagen.“!
Man kann Forschungsergebnisse eben nicht erzwingen und nicht jeder der Unmengen an Drittmittel einwirbt, wird auch den erhofften wissenschaftlichen Durchbruch erzielen. Was man also benötigt ist ein Umfeld in dem die Neugier der Wissenschaftler sich frei entfalten kann. Prof. Zewail bezeichnet heute seinen ersten Antrag daher auch als reichlich esoterisch und wahrscheinlich würde er heute keinen Cent dafür bekommen, aber die Arbeiten mündeten dann später in den Nobelpreis für Chemie. Also aufgemerkt liebe Stammtisch- und Bildungspolitiker: Forschung kostete Geld und die Leistung kann manchmal erst nach Jahrzehnten ermessen werden. Die ganzen Bestrebungen zur Leistungsbezahlung behindern eigentlich nur die Arbeit engagierter Wissenschaftler und vertreiben diese auf Dauer dahin, wo sie sich freier entfalten können. Und zum freien Entfalten gehört auch die Kommunikation der Wissenschaftler miteinander. Wenn ich dann sehe, das Tagungsreisen bei vielen Wissenschaftlern (im Mittelbau) eher eine Rarität sind und auch nicht komplett erstattet werden, dann läuft auch hier was grundsätzlich falsch (A.Z.: „..kreative Köpfe und Bürokratien vertragen sich nicht.“).
Für das Gedeihen einer Grundlagenforschung gibt es daher nach Zewail drei wichtige Punkte:
1. Die solide Ausbildung der Menschen,
2. ein kreatives Umfeld zum intellektuellen Austausch,
3. ausreichend Mittel und Ausstattung.
Förderung sollte den Visionen der Wissenschaftler folgen. Praxis ist aber, das man ohne ausreichende Expertise kaum Fördermittel bekommt. Damit wird per se schon die Verwirklichung von Visionen im Ansatz verhindert.
Ach und wer denkt, das die ganze Grundlagenforschung unnütz ist, der sollte Wissen das in den 50er Jahren 75% des Wirtschaftswachstums der USA auf neuen Technologien basierten.
Oder anders, wenn nicht bald in der deutschen Bildungs- und Wissenschaftspolitik eine 180° Wende erfolgt und endlich mal richtig Geld in die Hand genommen wird, dann werden wir uns deutlich zum Schwellenland entwickeln. Und zwar durch Selbstkastration!
Nov. 25
Piraten und Wissenschaft
Ich kann es ja nicht leugnen, ich halte die Grundidee der Bewahrung der Bürgerrechte im digitalen Zeitalter für wesentlich und damit generell eine Partei, die dies vertritt für wichtig. Und ursprünglich war ja die Piratenpartei einmal mit diesen Anspruch auch angetreten. Nachdem Hype der letzten Monate rund um die Piraten kam eine gewisse Ernüchterung und nun der Anspruch es auf dem Bochumer Parteitag mit den Inhalten zu richten. Und unter den wenigen Ergebnissen des ersten Tages gibt es auch einen Teil zu Wissenschaft und Forschung, den ich einmal näher beleuchten will:
Da wäre als erstes der PA585 (http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA585). Der erste Abschnitt ist überschrieben mit Wissenschaft als Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung und enthält allgemeines BlaBla, mit dem man erst mal nichts falsch machen kann, der aber auch nichts Neues enthält. Denn schließlich haben wir in Deutschland mit den Universitäten, Max-Plank-, Helmholtz- und Frauenhofergesellschaft eine diversifizierte Forschungslandschaft.
Der nächste Absatz lautet: Ethische Neutralität und Ideologiefreiheit der Wissenschaft. Damit geht die Piratenpartei auf Glatteis. So folgt dazu als erste Aussage: Wissenschaftliche Erkenntnisse an sich unterliegen keiner ethischen Bewertung, eine Beeinflussung der wissenschaftlichen Entwicklung insbesondere in Form von Einschränkungen und Verboten aus politischen, religiösen oder sonstigen ideologischen Gründen ist deshalb abzulehnen. Das zeugt von Naivität und Unkenntnis wissenschaftlicher Prozesse. Sicher ist eine Erkenntnis an sich unbeschränkt, aber nur dann wenn sie sich wie eine Art Marienerscheinung einfach so manifestieren würde. In Wirklichkeit unterliegt die wissenschaftliche Erkenntnis den ethischen und weltanschaulichen Ansichten der Wissenschaftler, die diese Erkenntnis gewinnen. Dabei ist es durchaus möglich, das Wissenschaftler dabei weiter gehen, als ihre Ansichten es zulassen würden. Das hängt aber von der konkreten Person ab und von der konkreten Erkenntnis. Weiterhin gibt es ja vielfach wissenschaftliche Erkenntisse, die dem Bereich der angewandten Forschung entstammen und im nächsten Satz schreiben die Piraten: Konkrete Verfahrensweisen sowie praktische Anwendungen neu gewonnener Erkenntnisse müssen hingegen auf deren Vereinbarkeit mit ethischen und gesellschaftlichen Normen überprüft und bei Notwendigkeit eingeschränkt werden. Die Folge ist, das sich die Aussagen aus Satz eins und zwei widersprechen. Abgesehen davon wurden Einschränkungen schon immer von Wissenschaftlern ignoriert, wäre dies nicht so, wäre die Erde heute noch eine Scheibe und anatomische Erkenntnisse nicht vorhanden. Fazit: Erkenntnisse wurden bisher immer angewandt, egal ob verboten oder nicht. Und jede Erkenntnis die sich mißbrauchen ließ, wurde bisher auch mißbraucht. Und solange Konkurenz und Wettbewerb die Gesellschaft prägen, wird sich das auch nicht ändern.
Nächster Abschnitt: Wissenschaftlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Forschung
Das scheint offensichtlich der Pflichtabsatz zur Transparenz zu sein. Wer sich in der Wissenschaftslandschaft auskennt, dem ist es geläufig, das Ergebnisse in einem Peer Review System nur dann publiziert werden, wenn die Reviewer diese nachvollziehen können. Ausnahmen bestätigen die Tatsache, das Wissenschaftler auch nur Menschen sind.
Allein am Beispiel des LHC am CERN sollte aber auch klar sein, das es in vielen Fällen um einen Erkenntnissprozess handelt, den einzelne Personen gar nicht mehr nachvollziehen können. Da stößt Transparenz einfach mal an seine menschlichen Grenzen und man muß sich auf gute wissenschaftliche Praxis verlassen.
Und genauso ist es gute Praxis sich in Publikationen bei den Geldgebern zu bedanken.Insofern ist die Forderung der Piraten eigentlich schon erfüllt.
Andererseits gibt es natürlich auch Forschungskooperationen zum Beispiel mit Unternehmen, die aus wirtschaftlichen Gründen einer Verschwiegenheitsklausel unterliegen. Und da zum Beispiel sowohl Universitäten als auch verschiedene Forschungseinrichtungen auf Industriekooperationen angewiesen sind, wäre ein Verbot solcher Klauseln das Aus für viele Wissenschaftler und in Folge dessen auch ein erheblicher Standortnachteil für Deutschland.
Fazit piratischer Transparenzwahn mag zwar die Annahmewahrscheinlichkeit bei Anträgen erhöhen, in der Wissenschaft ist er völlig fehl am Platz. Schon weil er technisch oft nicht umsetzbar ist.
Und nun der letzte Absatz „Offener Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen“
Der Absatz ist wie auch der einleitende Absatz recht unkonkret gehalten. Grundsätzlich kann Jeder eine Universität aufsuchen und dort auf die Bibliothek zugreifen. Und damit hat er auch Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen aus aller Welt, so diese frei zugänglich oder im Rahmen von Lizenzen an der jeweiligen Universität verfügbar sind. Das ist sicher eine enorme Baustelle, denn die Wissenschaftsverlage wie Elsevier verlangen teilweise horrende Summen für Abo’s und Zugänge. Aber wie das Problem zu lösen ist, dazu schweigt sich dann das Programm wieder aus und bleibt leider sehr unkonkret (OpenAcess ist leider eher eine langfristige Lösung).
Mein Fazit: Das hier von den Piraten beschlossene Programm zu Wissenschaft und Forschung ist entweder sehr allgemein und damit nichtssagend und geht andererseits häufig an der Realität des Forschungsbetriebes vorbei. Ob aus Idealismus oder einfach nur Unkenntnis sei einfach mal dahin gestellt.
