Open- Data und die Piraten

Die brandenburger Piraten haben ja mit Frau Domscheit-Berg eine sogenannte Netzaktivistin in die Reihen der Piraten gebracht. Und da ist dann auch schon die erste Frage, die ich mir stelle: Wer ernennt eigentlich Netzaktivisten? Ich habe zum Beispiel mein Chemieinstitut wahrscheinlich als zweites in Deutschland in’s Web gebracht. Darauf geachtet habe ich nie, aber mit der Wayback-Maschine komme ich auf einen Start mindestens am 12.1.1996 mit eigenem Server, ich denke aber das das schon viel früher war. Aber schon davor waren wir auf dem Uni-Server present. Auch meine private Homepage datiert aus dieser Zeit. Ich habe auch schon Ende der 90’iger Jahre mit e-learniung angefangen und Kurse online gestellt. Bin ich deshalb Netzaktivist? Nein. Ich habe nur ein neues Medium genutzt, mit den mir zur Verfügung stehenden Mittel, Möglichkeiten und viel Neugier.

Andere scheinen NetzaktivistInnen zu sein? Muß man dafür bei Microsoft gearbeitet haben, zum Beispiel als Managerin. Scheint zumindest so. Und irgendwelchen lustigen Ideen hinterher rennen, so wie etwa open-data oder open gov-data? Anscheinend! Natürlich sind die wie open-data wichtig und als Thema sicher auch für die Piraten sehr wichtig. Und für Softwareentwickler, die so kostenfrei an Daten für wahrscheinlich kostenpflichtige Programme kommen. Aber wie steht es da mit Lieschen Müller? Lieschen Müller wird, wenn überhaupt ab und an solche Dienste nutzen und sich darüber freuen. Aber Lieschen Müller hat noch ganz andere, elementarere Probleme: Wie sicher ist der Euro, der Job, die Rente, das Gesundheitswesen, die Bildung der folgenden Generationen? Wird auch morgen noch der Strom aus der Steckdose bezahlbar sein, ohne das halb Deutschland radioaktiv strahlt? Oder Trinkwasser? Oder ob ich noch im See nebenan baden kann, ohne Zäune von privaten Investoren niederreißen zu müssen. Das sind doch existentielle Fragen, die geklärt werden müssen. Meinungsfreiheit, Freizügigkeit, gesellschaftliche und auch kulturelle Teilhabe etc. Das ist wichtig. Frieden in Europa und vielleicht auch auf dem Rest der Welt. Das sind Fragen, dagegen nimmt sich open data doch eher so aus wie ein Hügel im Sandkasten neben den Mount Blanc. Die Menschen erwarten von den Parteien antworten wie es morgen weiter geht mit ihrem Leben, wollen Sicherheiten und keine Fantasia-Länder (wie das BGE). Vier Jahre liebe Piraten hattet Ihr seit 2009 Zeit für ein paar sinnvolle Antworten. Zeit, die nun abläuft und die Ihr verschenkt habt, weil Ihr gescheiterten Existenzen aufgesessen seid und Euch in Eurem Klein-Klein mehr mit Euch und Euren Befindlichkeiten, mit der Schaffung von Posten und Pöstchen beschäftigt habt, statt mit Antworten! Darum tut Euch einen Gefallen, lasst die BTW 2013 ausfallen, dann werdet Ihr sehen, wer nur aus Hoffnung auf einen Bundestagssessel zu Euch gekommen ist und wer es ehrlich meint. Dann habt ihr Zeit Euch neu zu finden und aus den Fehlern der letzten 4 Jahre zu lernen. Dann findet Ihr vielleicht auch Antworten auf die Fragen, die die Menschen in diesem Land wirklich bewegen. Und vielleicht lernt Ihr auch dann miteinander zu reden, ohne das es gleich live in alle Welt herausgetönt wird. Für ein Brainstorming soll das sehrt förderlich sein.

Schavan ist zurückgetreten- Gut und auch nicht gut

Frau Schavan ist als Bundesbildungsministerin zurückgetreten (worden). Ich würde mein Abendbrot drauf verwetten, das auch hier Frau Merkel mehr als nur die Hand im Spiel hatte. Um Schaden vom Amt fernzuhalten hätte es aber auch genügt das Amt ruhen zu lassen. Bis zur BTW 2013 oder gerichtlichen Klärung. Und nachdem ich einen Blick in das sogenannte Schavanplag (http://schavanplag.wordpress.com/) geworfen habe, halte ich den Rücktritt gänzlich für falsch! Warum? Ganz einfach, ich konnte bei den Stichproben bzw. bei den an verschiedenen Stellen erwähnten „Leseproben“ höchstens eine unsaubere Zitierweise erkennen. Es scheint doch eher so, das hier der Macher von Schavanplag einen persönlichen Feldzug gegen Frau Schavan fährt und die Stimmungsmache im Internet dazu ausnutzt Druck auf die Uni Düsseldorf aufzubauen. Ich hoffe nur, das Frau Schavan die Klage durchzieht, denn mit der Argumentation kann man imho nahezu jede Promotion zerfetzen.

Nachtrag: Hier mal ein lesenswerter Artikel aus der „Welt“: http://www.welt.de/debatte/article113508570/Der-wirkliche-Skandal-in-der-Causa-Schavan.html

Das böse N- Wort

Gerade findet ja wegen der Überarbeitung der Geschichte „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler eine Diskussion über die Verwendung des Wortes „Neger“ statt. Es wird dabei ganz richtig gesagt, das die Sprache und die Bedeutung von Wörtern sich im Laufe der Jahre ändert und manche Bedeutung in Vergessenheit gerät und damit nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden ist. Das ist in meinen Augen schon ein Verlust an kultureller Identität, wenn wir solche Bedeutungsverluste hinnehmen und durch Korrekturen von Werken der Weltliteratur auch noch diese Verarmung adeln. Aber das ist meiner Ansicht nach noch nicht einmal das Schlimmste bezogen auf das Wort Neger. Die Argumentation dafür es aus Kinderbüchern zu streichen liegt ja darin, das Neger heute wohl hauptsächlich als Schimpfwort gebraucht wird, was vor 50 Jahren noch nicht der Fall war. Und obwohl ich erst 48 bin, benutze auch ich es nicht als solches. Als Schimpfwort wird es ja meiner Meinung nach von Rassisten verwendet, die ja primär im rechten Milieu angesiedelt sind. Daher stelle ich mir die Frage, ob es richtig ist, Rechten und Nazis die Deutungshoheit über unsere Sprache zu überlassen und davor dann auch noch einen Kotau zu machen und die (Kinder)Bücher zu ändern?