Realsatire

Über eine Nachricht im Twitter- Netzwerk wurde ich heute einmal wieder auf den LV Brandenburg der Piratenpartei aufmerksam. Und da der Leser es wahrscheinlich nicht weiß, 2009 habe ich über die Landesliste Brandenburg für den Bundestag kandidiert. Danach war ich eine Weile im Landesvorstand. Diese Tätigkeit habe ich vorzeitig beendet, da mit einer Reihe Mitgliedern keine vernünftige Zusammenarbeit mehr möglich war. Mittlerweile bin ich bekennendes Nichtmitglied. Trotzdem hat mich es interessiert, was mein ehemaliger LV so zum nächsten Parteitag treiben will. Und es kam, wie erwartet. Zum einen versucht man immer noch krampfhaft, die Arbeit der Vorgänger im Amt möglichst schlecht zu machen und andererseits passt man sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit den etablierten Parteien an. Vor allem durch Aufstellen von inhaltsleeren aber bedeutungsschwangeren Programmpunkten, welche möglichst nicht einklagbar sein sollen. So entstand eine Mischung aus rot-grünen Phrasen, die so viel mit einer Bürgerrechtspartei im digitalen Zeitalter zu tun haben, wie ein Sägefisch mit Hobeln. Insofern ist es eigentlich schade, das ich nicht nochmal austreten kann.

Targo-Bank: Geht so Banking heute?

Das genau war die Frage, als ich vor gut 1,5 Wochen mir einen neuen PC anschaffen sollte. Der „Alte“ sollte an mein kleines Kind gehen, da dessen „Alter“ in Eimer war. Nachdem ich schon vor etwa einen Jahr das Problem einer Ratenzahlung beim „Ich bin doch nicht doof“- Markt hatte, dieses Problem bei der Schufa aber ausgeräumt waren, bin ich als frohen Mutes in besagten Markt gefahren. Ein ordentlich ausgestatteter Multimedia- PC sollte es werden, Ratenhöhe etwa 1/120’stel des Netto- Monatseinkommens der Familie, erreichbar allein durch Reduktion des Konsum schöngeistiger Getränke meinerseits auf die Hälfte (dank guter Vorsätze schaffe ich derzeit weniger als ein siebentel). Also frohen Mutes die unterlagen für die Targo- Bank eintippen lassen und wir waren noch nicht mal beim Einkommen, da stoppte die Targo- Bank mein Unternehmen schon. Also habe ich das Unternehmen abgeblasen und geschmollt. Natürlich habe ich mir einen neuen PC besorgt. Besser ausgestattet als der beim „Super Mario Barth Markt“. Und habe dabei immer noch auf die Targo- Bank geschimpft. Aber gestern begriff ich schlagartig, was mit dem Slogan: „So geht Banking heute“ gemeint ist und ich war erstaunt. Also beim Kauf habe ich 400 Euro gespart und hab sogar noch bessere Technik bekommen. Zusätzlich spare ich nun Benzinkosten, denn ich fahre jetzt nur noch in den näher gelegenen Expert- Markt. Und ich spare Zinsen und Parkgebühren, denn beim Expert parke ich kostenfrei und bekomme obendrein noch Billig- Sprit von der Kaufland Tanke! Also summa sumarum: Targo Bank ich danke Dir. So etwas selbstloses im Interesse des Kunden habe ich lange nicht erlebt. Jede andere Bank hätte mein Geld genommen und damit seinen Gewinn maximiert und Bonis bezahlt. So also geht Banking heute!

Wir sind zu satt

Am vergangenen Samstag hatten unsere ewig gestrigen Öken mal wieder einen gemeinsamen Treckerausflug nach Berlin angesetzt. Es war angesichts des Dioxin-Skandals mal wieder an der Zeit, dem unbedarften Bürger Schauergeschichten um moderne Landwirtschaft und Gentechnik zu servieren. Das dies auch noch funktioniert, liegt meiner Ansicht nach vor allem daran, das das Angebot an Nahrungsmittel mehr als üppig ist. Wer hungert, demonstriert nicht für geringere Erträge in der Landwirtschaft. Daher war schon einmal das Motto der Demo falsch gewählt! Kommen wir nun einmal zu den etwas komplizierterén Fakten. Zumindest werden sie kompliziert, wenn man sie differenzierter betrachtet, als in der grünen Schauerpropaganda. Also Anlass Nummer Eins war das Dioxin im Futterfett für Tiere. Hier gestatt ich mir einmal ein von Karl Marx bekannt gemachtes Zitat von P.J. Dunnings einzuflechten: Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Und damit sind wir auch schon bei einem Teil der Ursache für den Dioxin- Skandal: Dem Streben nach Profit. Denn dieser fällt höher aus, wenn man technische Fett zu Futterfetten “veredelt”. Der andere Teil der Schuld fällt an den Staat, der seine Kontrollpflichten an die nach Profit strebenden Hersteller outgesourced hat. Ich hoffe, man erkennt den Widersinn in dieser Regelung. Punkt zwei sind dann die von mir als ewig gestrig bezeichneten Landwirt, die immer noch dem Traum nachhängen, mit eigenem Hof, selbst gebasteltem Trecker, 20ha und 30 Schweinen die Versorgung unseres Landes sichern zu können. Um das zu Beurteilen, muß man sich im Klaren darüber sein, das ökologische Landwirtschaft zu Erträgen führt, die etwa einem Drittel der modernen Landwirtschaft entsprechen. Das wir damit die Grundversorgung von 84 Millionen Bürgern sichern können, gehört eher in den Bereich der Fiktion. Und nun kommen wir zum dritten Schreckgespenst, der Gentechnik. Auch hier gilt natürlich das vorhin gebrachte Zitat zum Kapital. Und somit erklärt sich auch, warum Monsanto und Co. so aggressiv agieren. Sie wollen ein Monopol und damit Riesenprofite. Dafür gehen sie auch über Leichen (http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/das-gift-in-der-lunge/). Die Folge dieses rücksichtslosen Verhaltens ist, das viele Gentechnik verteufeln. Das auch natürlich Züchtung faktisch Gentechnik ist und das man heute die Gentechnikgesetze umgeht, indem man künstlich hohe Mutationsraten erzeugt und anschließend die DNA der Keimlinge sequenziert um gewünschte Mutationen zu selektieren, sind Folgen dieser Verteuflung. In Anbetracht all dieser Fakten, muß man einfach feststellen, weder moderne Landwirtschaft noch Gentechnik sind per se schlecht. Erst skrupelloses Profitstreben führt zum Mißbrauch dieser Techniken und zur Gefährdung menschlichen Lebens. Wer wirklich etwas tun will, sollte seine Kaufgewohnheiten prüfen. Denn während weltweit pro Minute zehn Kinder verhungern, landen bei uns grosse Mengen Nahrungsmittel im Abfall. Und bei unseren Verbrauchsgewohnheiten können wir anfangen und etwas gegen den Hunger in der Welt tun als auch Profitgier eine Absage erteilen. Trecker am Brandenburger Tor bringen jedoch nichts!