{"id":588,"date":"2015-10-02T09:01:09","date_gmt":"2015-10-02T09:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/?p=588"},"modified":"2015-10-02T09:01:09","modified_gmt":"2015-10-02T09:01:09","slug":"der-oekotraum-ein-herbstmaerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/2015\/10\/02\/der-oekotraum-ein-herbstmaerchen\/","title":{"rendered":"Der \u00d6kotraum- Ein Herbstm\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p>In &#8222;Der Freitag&#8220; ist mir mal wieder ein Artikel \u00fcber den Weg gelaufen, den ich f\u00fcr reine Propaganda ansehe, auch wenn er sich auf eine Studie des Umweltbundesamtes (<em><a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/publikationen\/treibhausgasneutrales-deutschland-im-jahr-2050\" target=\"_blank\">Treibhausgasneutrales Deutschland 2050<\/a><\/em>) st\u00fctzt. Es ist mir daher ein inneres Bed\u00fcrfniss diesen Artikel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/eine-oekonomie-ohne-brennstoff\" target=\"_blank\">Eine \u00d6konomie ohne Brennstoff<\/a>&#8220; mal n\u00e4her zu beleuchten.<\/p>\n<p>Erstes Zitat aus dem Artikel: &#8222;Kohle und \u00d6l haben ausgedient. Sonne, Wind und andere erneuerbare Energietr\u00e4ger sind endg\u00fcltig an ihre Stelle getreten. Zusammengeschaltet in virtuellen Kraftwerken, vernetzt mit riesigen Speichern sorgen sie f\u00fcr die sichere Energieversorgung eines Landes, in dem 72,2 Millionen Menschen leben.&#8220;\nOK, wenn Kohle und \u00d6l aus der Energieerzeugung verschwinden kann dies nur gut sein. Denn die Asche aus Kohlekraftwerken enth\u00e4lt u.a. Uran, Thorium und Radium ( <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Asche\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Asche<\/a>). Soweit so gut, aber woher kommen die riesigen vernetzten Speicher? Schauen wir in die Orginalstudie, so werden wir f\u00fcndig: Powe-to-Gas ist das Zauberwort, basierend auf regenerativ durch Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff. Das ist doch gut oder?\nGrunds\u00e4tzlich schon, da Wirkungsgrade von 80% und mehr erreicht werden und schon Anlagen verschiedenster Art in Betrieb sind. Nur m\u00fcssten wir nat\u00fcrlich zur Bevorratung und Abdeckung eines Gro\u00dfteils der Stromversorgung ziemlich viele Werke neu bauen. Hinzu kommen Stromtrassen zu den Werken und entsprechende Wasserstofftanks. Und Wasserstoff ist nicht einfach zu handhaben. Es ist brennbar und kann als Knallgas erhebliche Zerst\u00f6rungen anrichten (denken wir an diee Hindenburg oder an das Reaktorungl\u00fcck von Fukushima, wo prim\u00e4r Wasserstoffexplosionen zu den Zerst\u00f6rungen gef\u00fchrt haben). Abgesehen davon br\u00e4uchten wir einen enormen Aufwachs an Windkraftanlagen. 20145 lieferten 25.000 Windr\u00e4der 8% der Jahresstrommenge. Mit zus\u00e4tzlich weiteren 200.000 Windr\u00e4dern k\u00f6nnte man (die passende Infrastruktur vorausgesetzt und unter Ber\u00fccksichtigung eines Wirkungsgrades von 25% bei power-to-gas) lediglich 24% des Strombedarfes decken. f\u00fcr 50% bedarf es der Menge von ca. 400.000 Windr\u00e4dern (bei einer Gesamtfl\u00e4che von 360.000 km^2 bedeutet das 0,9km^2 pro Windrad) Weitere Betrachtungen dazu finden sich in der Orginalquelle <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/ikz\/ikz-start\/die-norweger-zeigen-uns-einen-vogel-id10659482.html\">http:\/\/www.derwesten.de\/ikz\/ikz-start\/die-norweger-zeigen-uns-einen-vogel-id10659482.html<\/a>. Fragt sich eigentlich, warum wird bei der Studie die photokatalytische Erzeugung von Wasserstoff nicht ber\u00fccksichtigt? Liegt es eventuell daran, das die Technologie noch nicht industriereif ist und eventuell ein noch viel h\u00f6herer Platzbedarf damit einhergeht?\nErstes Teilfazit: Power-to-Gas kann nicht als L\u00f6sung angesehen werden, hier setzt die Studie schon einmal falsch an.<\/p>\n<p>Zweites Zitat, diesmal aus dem Original des UBA (Seite 12):&#8220;Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2050 der direkt als Endenergie genutzte Strom (466 TWh\/Jahr) vor\nallem im Inland produziert wird. Die technischen Potenziale den gesamten Strombedarf (rund 3.000 TWh\/Jahr) national zu erzeugen, sind zwar vorhanden, da aber zum Beispiel aus \u00f6kologischen oder \u00f6konomischen Gr\u00fcnden nur ein Teil dieser Potenziale sinnvoll genutzt werden kann, gehen wir davon aus, dass ein gr\u00f6\u00dferer Teil des in Deutschland ben\u00f6tigten Stroms im Ausland erzeugt werden w\u00fcrde.&#8220; Aha, wir werden also nur 15,5% unseres gesamten Strombedarfes in 2050 selber produzieren, den Rest kaufen wir im Ausland ein. Das setzt voraus, das unsere Nachbarl\u00e4ndern genug \u00fcbersch\u00fcssigen Strom erzeugen. Nur was, wenn die auch nur regenerativ arbeiten wollen? Dann fehlen denen wom\u00f6glich auch 85% des Strombedarfes, den sie bei ihren Nachbarn einkaufen wollen! Sp\u00e4testens jetzt sollten aber alle Alarmglocken schrillen, denn derartige Annahmen als Grundlage einer seri\u00f6sen Zukunftsprognose sind einfach nicht haltbar. Das ist pureres Zurechtbiegen der Studie um zu einem politisch gew\u00fcnschten Ergebnis zu kommen. Oder aber mit einem anderen Wort: unseri\u00f6s!<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Freitag- Artikel. Der Autor erz\u00e4hlt die Geschichte der Firma Grundgr\u00fcn, ja die gibt es tats\u00e4chlich. Im  Prinzip wird dort mit \u00fcbersch\u00fcssigem &#8222;gr\u00fcnen&#8220; Strom gehandelt, und wenn der nicht ausreicht, dann wird an der Stromb\u00f6rse zugekauft. D. h. ohne Schattenkraftwerke funktioniert das Gesch\u00e4ftsmodell derzeit nicht. \u201eIrgendwann werden wir auch Stromspeicher einbinden m\u00fcssen.\u201c &#8211; sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Grundgr\u00fcn. Recht hat er, nur woher nehmen? Dazu sagt er nichts. Kann er auch nicht, weil da nichts in Sicht ist. Nicht einmal ansatzweise.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes widmet sich der Artikel der \u00d6ko-Landwirtschaft: &#8222;Das Klima hat es dringend n\u00f6tig: Konventionelle Landwirtschaft sorgt f\u00fcr erheblich mehr Emissionen als biologischer Landbau. Deshalb sollen Bio-Betriebe 2020 ein F\u00fcnftel der landwirtschaftlichen Fl\u00e4che in Deutschland bewirtschaften, so will es die Bundesregierung.&#8220; Und wenn die Bundesregierung will, das es im Winter w\u00e4rmer wird, dann wird es w\u00e4rmer. Nicht wahr?- Nein Spass beiseite. \u00d6kologische Landwirtschaft mag gut f\u00fcr die Umwelt sein, aber es gibt verschiedene Aspekte, die es dabei zhu ber\u00fccksichtigen gilt:<\/p>\n<ol>\n<li>Marktwirtschaft: Solange nicht jeder sich Bio ern\u00e4hren kann (und das wird angesichts der vielen prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse) wohl noch lange so bleiben und solange jemand preiswerter produzieren und im globalisierten Umfeld auch liefern kann (durch intensive Landwirtschaft), wird es daf\u00fcr einen Markt geben.<\/li>\n<li>Deutschland kann nicht im globalisierten 21. Jahrhundert so tun, als g\u00e4be es den Rest der Welt nicht. Bis 2050 prognostizieren die Vereinten Nationen eine Weltbev\u00f6lkerung von 9,6 Milliarden (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltbev%C3%B6lkerung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltbev%C3%B6lkerung<\/a>). Die m\u00fcssen ern\u00e4hrt werden. Bei konstanter bzw. durch klimatische Ver\u00e4nderungen auch schrumpfender Anbaufl\u00e4che, werden wir uns den Luxus der Extensivierung nicht leisten k\u00f6nnen. Der Immigrationsdruck wird entweder weiter zunehmen oder aber wir sorgen davor, das alle Menschen weltweit in ihrer Heimat ein gutes Lebensniveau haben. Und das wird bedeuten, das die vorhandenen Nutzfl\u00e4chen intensiver und nicht extensiver genutzt werden m\u00fcssen.\nUnd damit wird klar, das Bio-Landwirtschaft dekadenter Luxus ist. <\/li>\n<\/ol>\n<p>Im n\u00e4chsten Abschnitt geht es der Stahlindustrie an den Kragen. Der Autor akzeptiert die Aussage nicht, das man mittlerweile an der Grenze des naturwissenschaftlich machbaren w\u00e4re. Nun ist aber sowohl f\u00fcr die Reduktion von Eisenoxid (Rost) als auch f\u00fcr das Schmelzen (Schmelzenthalpie) eine bestimmte Energiemenge notwendig, die man einfach nicht unterschreiten kann. Selbst wenn es gel\u00e4nge nur noch Stahlschrott zu recyclen und keine Neugewinnung aus Eisenerzen (ebenfalls Oxide) n\u00f6tig wird, gibt es eine definierte Unterschranken f\u00fcr den Energiebedarf. Und die ben\u00f6tigte elektrische Energie wird nicht in Deutschland erzeugt werden  (siehe oben).<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df vergreift sich der Autor noch am Thema Verkehr: &#8222;Das Privatauto wird es auch im Jahr 2050 noch geben. Aber es ist selten. Sehr selten.&#8220; Nun sagen wir es mal so, das Auto ist Symbol der Individualit\u00e4t. Und der Sozialismus ist am Negieren dieser Individualit\u00e4t mit zugrunde gegangen. Auf die anderen dort skizzierten Dinge will ich dann gar nicht weiter eingehen. <\/p>\n<p>Mein Fazit: Die Studie des UBA auf der der hier kritisierte Artikel beruht ist sicher korrekt, unter der Annahme von 72 Millionen Deutschen, bis zu 85% Stromimport, massiven Effizienzsteigerungen und vor allem keinen Neuentwicklungen (wie Robotertechnik im vernetzten Haushalt&#8230;) die Energie ben\u00f6tigen. Diese Annahmen wurden get\u00e4tigt, um den \u00d6kotraum zu beweisen. Jedoch halten die Annahmen einem Faktencheck nicht stand. Sie sind reine Fantasie. Der Versuch dies umzusetzen w\u00fcrde bedeuten, das wir uns energieparasit\u00e4r von unseren Nachbarn versorgen lassen m\u00fcssten und unsere gesamte Volkswirtschaft von stabilen Stromimporten abh\u00e4ngig w\u00fcrde. Man kann nur hoffen, das dieses Szenario nie eintritt. Denn damit w\u00fcrde Deutschland erpressbar werden, politisch wie \u00f6konomisch.\nW\u00fcrde man das Szenario jedoch um eine Grundversorgung mit Gro\u00dfkraftwerken (Fusion und Kernspaltung) erg\u00e4nzen, k\u00f6nnten zumindest eine Reihe der Ziele erreicht werden, ohne in die Abh\u00e4ngigkeit von anderen L\u00e4ndern zu geraten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In &#8222;Der Freitag&#8220; ist mir mal wieder ein Artikel \u00fcber den Weg gelaufen, den ich f\u00fcr reine Propaganda ansehe, auch wenn er sich auf eine Studie des Umweltbundesamtes (Treibhausgasneutrales Deutschland 2050) st\u00fctzt. Es ist mir daher ein inneres Bed\u00fcrfniss diesen Artikel &#8222;Eine \u00d6konomie ohne Brennstoff&#8220; mal n\u00e4her zu beleuchten. Erstes Zitat aus dem Artikel: &#8222;Kohle &hellip; <\/p><\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/2015\/10\/02\/der-oekotraum-ein-herbstmaerchen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wprm-recipe-roundup-name":"","wprm-recipe-roundup-description":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[10],"class_list":["post-588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-energie","item-wrap"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5DDOx-9u","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=588"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":593,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588\/revisions\/593"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}