{"id":429,"date":"2012-12-04T18:51:28","date_gmt":"2012-12-04T18:51:28","guid":{"rendered":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/?p=429"},"modified":"2012-12-04T18:51:28","modified_gmt":"2012-12-04T18:51:28","slug":"bildungspolitik-ahmed-zewail-zur-zukunft-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/2012\/12\/04\/bildungspolitik-ahmed-zewail-zur-zukunft-der-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Bildungspolitik: Ahmed Zewail zur Zukunft der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>In einer der n\u00e4chsten Ausgaben der Zeitschrift <strong>Angewandte Chemie<\/strong> (doi:10.1002\/ange.201206738) erscheint ein Beitrag von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ahmed_Zewail\">Ahmed<\/a> und Maha Zewail unter dem Titel Wissenschaft f\u00fcr die Wohlhabenden.\nObwohl Prof. Ahmed Zewail (\u00e4gyptischer Chemiker und Nobelpreistr\u00e4ger 1999, besch\u00e4ftigt seit 1976 am CalTech) in den USA wirkt, kann man seine Warnungen nicht hoch genug bewerten. Er sei daher jedem Bildungspolitiker und auch solchen, die das werden wollen nur allerw\u00e4rmstens zu empfehlen. Ich selber habe mich ja als Brandenburger auch mal mit Bildungspolitik besch\u00e4ftigt und habe das abschreckendste Beispiel f\u00fcr eine fehlgeleitete Weichenstellung direkt vor der Haust\u00fcr. Schlie\u00dflich belegt bei den Ausgaben f\u00fcr die Hochschulen das Land Brandenburg traditionell den letzten Platz. Aber zur\u00fcck zum Artikel.\nEin wichtiger Punkt der heutigen Bildungspolitik in den Industrienationen  ist der Zwang der Hochschulen zu mehr Profit anstelle von (staatlich gef\u00f6rderter) Grundlagenforschung. In Deutschland ist dies als Drittmitteleinwerbung ein Leistungskriterium f\u00fcr Institute und Wissenschaftler. So werden u.a. bei Berufungen aber auch bei Haushaltsmittelverteilungen die Drittmitteleinwerbungen stark ber\u00fccksichtigt (&#8222;Der Teufel schei\u00dft halt immer auf den gr\u00f6\u00dften Haufen&#8220;). Dazu stellt Prof. Zewail passend folgendes fest:<em>&#8222;Aus der Geschichte wissen wir aber, das die fundamentalsten Innovationen aus der Neugier von Wissenschaftlern an den Ph\u00e4nomenen der Natur stammen, und in vielen F\u00e4llen wurden wissenschaftliche Entdeckungen durch Zufall gemacht. Selbst der gelehrteste Forscher kann die Route zur n\u00e4chsten Entdeckung oder der wichtigsten Innovation nicht vorhersagen.&#8220;<\/em>!\nMan kann Forschungsergebnisse eben nicht erzwingen und nicht jeder der Unmengen an Drittmittel einwirbt, wird auch den erhofften wissenschaftlichen Durchbruch erzielen. Was man also ben\u00f6tigt ist ein Umfeld in dem die Neugier der Wissenschaftler sich frei entfalten kann. Prof. Zewail bezeichnet heute seinen ersten Antrag daher auch als reichlich esoterisch und wahrscheinlich w\u00fcrde er heute keinen Cent daf\u00fcr bekommen, aber die Arbeiten m\u00fcndeten dann sp\u00e4ter in den Nobelpreis f\u00fcr Chemie. Also aufgemerkt liebe Stammtisch- und Bildungspolitiker: Forschung kostete Geld und die Leistung kann manchmal erst nach Jahrzehnten ermessen werden. Die ganzen Bestrebungen zur Leistungsbezahlung behindern eigentlich nur die Arbeit engagierter Wissenschaftler und vertreiben diese auf Dauer dahin, wo sie sich freier entfalten k\u00f6nnen. Und zum freien Entfalten geh\u00f6rt auch die Kommunikation der Wissenschaftler miteinander. Wenn ich dann sehe, das Tagungsreisen bei vielen Wissenschaftlern (im Mittelbau) eher eine Rarit\u00e4t sind und auch nicht komplett erstattet werden, dann l\u00e4uft auch hier was grunds\u00e4tzlich falsch (A.Z.: <em>&#8222;..kreative K\u00f6pfe und B\u00fcrokratien vertragen sich nicht.&#8220;<\/em>).\nF\u00fcr das Gedeihen einer Grundlagenforschung gibt es daher nach Zewail drei wichtige Punkte:<\/p>\n<ol>\n<li>Die solide Ausbildung der Menschen,<\/li>\n<li>ein kreatives Umfeld zum intellektuellen Austausch,<\/li>\n<li>ausreichend Mittel und Ausstattung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00f6rderung sollte den Visionen der Wissenschaftler folgen. Praxis ist aber, das man ohne ausreichende Expertise kaum F\u00f6rdermittel bekommt. Damit wird per se schon die Verwirklichung von Visionen im Ansatz verhindert.\nAch und wer denkt, das die ganze Grundlagenforschung unn\u00fctz ist, der sollte Wissen das in den 50er Jahren 75% des Wirtschaftswachstums der USA auf neuen Technologien basierten.\nOder anders, wenn nicht bald in der deutschen Bildungs- und Wissenschaftspolitik eine 180\u00b0 Wende erfolgt und endlich mal richtig Geld in die Hand genommen wird, dann werden wir uns deutlich zum Schwellenland entwickeln. Und zwar durch Selbstkastration!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer der n\u00e4chsten Ausgaben der Zeitschrift Angewandte Chemie (doi:10.1002\/ange.201206738) erscheint ein Beitrag von Ahmed und Maha Zewail unter dem Titel Wissenschaft f\u00fcr die Wohlhabenden. Obwohl Prof. Ahmed Zewail (\u00e4gyptischer Chemiker und Nobelpreistr\u00e4ger 1999, besch\u00e4ftigt seit 1976 am CalTech) in den USA wirkt, kann man seine Warnungen nicht hoch genug bewerten. 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