{"id":426,"date":"2012-11-25T07:55:42","date_gmt":"2012-11-25T07:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/?p=426"},"modified":"2012-11-25T07:55:42","modified_gmt":"2012-11-25T07:55:42","slug":"piraten-und-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/2012\/11\/25\/piraten-und-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Piraten und Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann es ja nicht leugnen, ich halte die Grundidee der Bewahrung der B\u00fcrgerrechte im digitalen Zeitalter f\u00fcr wesentlich und damit generell eine Partei, die dies vertritt f\u00fcr wichtig. Und urspr\u00fcnglich war ja die Piratenpartei einmal mit diesen Anspruch auch angetreten. Nachdem Hype der letzten Monate rund um die Piraten kam eine gewisse Ern\u00fcchterung und nun der Anspruch es auf dem Bochumer Parteitag mit den Inhalten zu richten. Und unter den wenigen Ergebnissen des ersten Tages gibt es auch einen Teil zu Wissenschaft und Forschung, den ich einmal n\u00e4her beleuchten will:\nDa w\u00e4re als erstes der PA585 (<a href=\"http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/Antrag:Bundesparteitag_2012.2\/Antragsportal\/PA585\">http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/Antrag:Bundesparteitag_2012.2\/Antragsportal\/PA585<\/a>). Der erste Abschnitt ist \u00fcberschrieben mit <strong>Wissenschaft als Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung<\/strong> und enth\u00e4lt allgemeines BlaBla, mit dem man erst mal nichts falsch machen kann, der aber auch nichts Neues enth\u00e4lt. Denn schlie\u00dflich haben wir in Deutschland mit den Universit\u00e4ten, Max-Plank-, Helmholtz- und Frauenhofergesellschaft eine diversifizierte Forschungslandschaft.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Absatz lautet: <strong>Ethische Neutralit\u00e4t und Ideologiefreiheit der Wissenschaft<\/strong>. Damit geht die Piratenpartei auf Glatteis. So folgt dazu als erste Aussage: <em>Wissenschaftliche Erkenntnisse an sich unterliegen keiner ethischen Bewertung, eine Beeinflussung der wissenschaftlichen Entwicklung insbesondere in Form von Einschr\u00e4nkungen und Verboten aus politischen, religi\u00f6sen oder sonstigen ideologischen Gr\u00fcnden ist deshalb abzulehnen.<\/em> Das zeugt von Naivit\u00e4t und Unkenntnis wissenschaftlicher Prozesse. Sicher ist eine Erkenntnis an sich unbeschr\u00e4nkt, aber nur dann wenn sie sich wie eine Art Marienerscheinung einfach so manifestieren w\u00fcrde. In Wirklichkeit unterliegt die wissenschaftliche Erkenntnis den ethischen und weltanschaulichen Ansichten der Wissenschaftler, die diese Erkenntnis gewinnen. Dabei ist es durchaus m\u00f6glich, das Wissenschaftler dabei weiter gehen, als ihre Ansichten es zulassen w\u00fcrden. Das h\u00e4ngt aber von der konkreten Person ab und von der konkreten Erkenntnis. Weiterhin gibt es ja vielfach wissenschaftliche Erkenntisse, die dem Bereich der angewandten Forschung entstammen und im n\u00e4chsten Satz schreiben die Piraten: <em>Konkrete Verfahrensweisen sowie praktische Anwendungen neu gewonnener Erkenntnisse m\u00fcssen hingegen auf deren Vereinbarkeit mit ethischen und gesellschaftlichen Normen \u00fcberpr\u00fcft und bei Notwendigkeit eingeschr\u00e4nkt werden.<\/em> Die Folge ist, das sich die Aussagen aus Satz eins und zwei widersprechen. Abgesehen davon wurden Einschr\u00e4nkungen schon immer von Wissenschaftlern ignoriert, w\u00e4re dies nicht so, w\u00e4re die Erde heute noch eine Scheibe und anatomische Erkenntnisse nicht vorhanden. Fazit: Erkenntnisse wurden bisher immer angewandt, egal ob verboten oder nicht. Und jede Erkenntnis die sich mi\u00dfbrauchen lie\u00df, wurde bisher auch mi\u00dfbraucht. Und solange Konkurenz und Wettbewerb die Gesellschaft pr\u00e4gen, wird sich das auch nicht \u00e4ndern.\nN\u00e4chster Abschnitt: <em>Wissenschaftlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Forschung<\/em>\nDas scheint offensichtlich der Pflichtabsatz zur Transparenz zu sein. Wer sich in der Wissenschaftslandschaft auskennt, dem ist es gel\u00e4ufig, das Ergebnisse in einem Peer Review System nur dann publiziert werden, wenn die Reviewer diese nachvollziehen k\u00f6nnen. Ausnahmen best\u00e4tigen die Tatsache, das Wissenschaftler auch nur Menschen sind.\nAllein am Beispiel des LHC am CERN sollte aber auch klar sein, das es in vielen F\u00e4llen um einen Erkenntnissprozess handelt, den einzelne Personen gar nicht mehr nachvollziehen k\u00f6nnen. Da st\u00f6\u00dft Transparenz einfach mal an seine menschlichen Grenzen und man mu\u00df sich auf gute wissenschaftliche Praxis verlassen.\nUnd genauso ist es gute Praxis sich in Publikationen bei den Geldgebern zu bedanken.Insofern ist die Forderung der Piraten eigentlich schon erf\u00fcllt.\nAndererseits gibt es nat\u00fcrlich auch Forschungskooperationen zum Beispiel mit Unternehmen, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden einer Verschwiegenheitsklausel unterliegen. Und da zum Beispiel sowohl Universit\u00e4ten als auch verschiedene Forschungseinrichtungen auf Industriekooperationen angewiesen sind, w\u00e4re ein Verbot solcher Klauseln das Aus f\u00fcr viele Wissenschaftler und in Folge dessen auch ein erheblicher Standortnachteil f\u00fcr Deutschland.\nFazit piratischer Transparenzwahn mag zwar die Annahmewahrscheinlichkeit bei Antr\u00e4gen erh\u00f6hen, in der Wissenschaft ist er v\u00f6llig fehl am Platz. Schon weil er technisch oft nicht umsetzbar ist.<\/p>\n<p>Und nun der letzte Absatz &#8222;Offener Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen&#8220;\nDer Absatz ist wie auch der einleitende Absatz recht unkonkret gehalten. Grunds\u00e4tzlich kann Jeder eine Universit\u00e4t aufsuchen und dort auf die Bibliothek zugreifen. Und damit hat er auch Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen aus aller Welt, so diese frei zug\u00e4nglich oder im Rahmen von Lizenzen an der jeweiligen Universit\u00e4t verf\u00fcgbar sind. Das ist sicher eine enorme Baustelle, denn die Wissenschaftsverlage wie  Elsevier verlangen teilweise horrende Summen f\u00fcr Abo&#8217;s und Zug\u00e4nge. Aber wie das Problem zu l\u00f6sen ist, dazu schweigt sich dann das Programm wieder aus und bleibt leider sehr unkonkret (OpenAcess ist leider eher eine langfristige L\u00f6sung).<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong>: Das hier von den Piraten beschlossene Programm zu Wissenschaft und Forschung ist entweder sehr allgemein und damit nichtssagend und geht andererseits h\u00e4ufig an der Realit\u00e4t des Forschungsbetriebes vorbei. Ob aus Idealismus oder einfach nur Unkenntnis sei einfach mal dahin gestellt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann es ja nicht leugnen, ich halte die Grundidee der Bewahrung der B\u00fcrgerrechte im digitalen Zeitalter f\u00fcr wesentlich und damit generell eine Partei, die dies vertritt f\u00fcr wichtig. Und urspr\u00fcnglich war ja die Piratenpartei einmal mit diesen Anspruch auch angetreten. 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