{"id":4,"date":"2011-01-26T20:09:54","date_gmt":"2011-01-26T20:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/?p=4"},"modified":"2011-01-27T07:17:23","modified_gmt":"2011-01-27T07:17:23","slug":"wir-sind-zu-satt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wissen.science-and-fun.de\/privat\/2011\/01\/26\/wir-sind-zu-satt\/","title":{"rendered":"Wir sind zu satt"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Samstag hatten unsere ewig gestrigen \u00d6ken mal wieder einen gemeinsamen Treckerausflug nach Berlin angesetzt. Es war angesichts des Dioxin-Skandals mal wieder an der Zeit, dem unbedarften B\u00fcrger Schauergeschichten um moderne Landwirtschaft und Gentechnik zu servieren. Das dies auch noch funktioniert, liegt meiner Ansicht nach vor allem daran, das das Angebot an Nahrungsmittel mehr als \u00fcppig ist. Wer hungert, demonstriert nicht f\u00fcr geringere Ertr\u00e4ge in der Landwirtschaft. Daher war schon einmal das Motto der Demo falsch gew\u00e4hlt!\nKommen wir nun einmal zu den etwas komplizierter\u00e9n Fakten. Zumindest werden sie kompliziert, wenn man sie differenzierter betrachtet, als in der gr\u00fcnen Schauerpropaganda. Also Anlass Nummer Eins war das Dioxin im Futterfett f\u00fcr Tiere. Hier gestatt ich mir einmal ein von Karl Marx bekannt gemachtes Zitat von P.J. Dunnings einzuflechten: Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k\u00fchn. Zehn Prozent sicher, und man kann es \u00fcberall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; f\u00fcr 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu\u00df; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.\nUnd damit sind wir auch schon bei einem Teil der Ursache f\u00fcr den Dioxin- Skandal: Dem Streben nach Profit. Denn dieser f\u00e4llt h\u00f6her aus, wenn man technische Fett zu Futterfetten \u201cveredelt\u201d. Der andere Teil der Schuld f\u00e4llt an den Staat, der seine Kontrollpflichten an die nach Profit strebenden Hersteller outgesourced hat. Ich hoffe, man erkennt den Widersinn in dieser Regelung.\nPunkt zwei sind dann die von mir als ewig gestrig bezeichneten Landwirt, die immer noch dem Traum nachh\u00e4ngen, mit eigenem Hof, selbst gebasteltem Trecker, 20ha und 30 Schweinen die Versorgung unseres Landes sichern zu k\u00f6nnen. Um das zu Beurteilen, mu\u00df man sich im Klaren dar\u00fcber sein, das \u00f6kologische Landwirtschaft zu Ertr\u00e4gen f\u00fchrt, die etwa einem Drittel der modernen Landwirtschaft entsprechen. Das wir damit die Grundversorgung von 84 Millionen B\u00fcrgern sichern k\u00f6nnen, geh\u00f6rt eher in den Bereich der Fiktion.\nUnd nun kommen wir zum dritten Schreckgespenst, der Gentechnik. Auch hier gilt nat\u00fcrlich das vorhin gebrachte Zitat zum Kapital. Und somit erkl\u00e4rt sich auch, warum Monsanto und Co. so aggressiv agieren. Sie wollen ein Monopol und damit Riesenprofite. Daf\u00fcr gehen sie auch \u00fcber Leichen (<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/zukunft\/umwelt\/artikel\/1\/das-gift-in-der-lunge\/\">http:\/\/www.taz.de\/1\/zukunft\/umwelt\/artikel\/1\/das-gift-in-der-lunge\/<\/a>). Die Folge dieses r\u00fccksichtslosen Verhaltens ist, das viele Gentechnik verteufeln. Das auch nat\u00fcrlich Z\u00fcchtung faktisch Gentechnik ist und das man heute die Gentechnikgesetze umgeht, indem man k\u00fcnstlich hohe Mutationsraten erzeugt und anschlie\u00dfend die DNA der Keimlinge sequenziert um gew\u00fcnschte Mutationen zu selektieren, sind Folgen dieser Verteuflung.\nIn Anbetracht all dieser Fakten, mu\u00df man einfach feststellen, weder moderne Landwirtschaft noch Gentechnik sind per se schlecht. Erst skrupelloses Profitstreben f\u00fchrt zum Mi\u00dfbrauch dieser Techniken und zur Gef\u00e4hrdung menschlichen Lebens. Wer wirklich etwas tun will, sollte seine Kaufgewohnheiten pr\u00fcfen. Denn w\u00e4hrend weltweit pro Minute zehn Kinder verhungern, landen bei uns grosse Mengen Nahrungsmittel im Abfall. Und bei unseren Verbrauchsgewohnheiten k\u00f6nnen wir anfangen und etwas gegen den Hunger in der Welt tun als auch Profitgier eine Absage erteilen. Trecker am Brandenburger Tor bringen jedoch nichts!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Samstag hatten unsere ewig gestrigen \u00d6ken mal wieder einen gemeinsamen Treckerausflug nach Berlin angesetzt. Es war angesichts des Dioxin-Skandals mal wieder an der Zeit, dem unbedarften B\u00fcrger Schauergeschichten um moderne Landwirtschaft und Gentechnik zu servieren. 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